Deine Positionierung finden als Introvertierte: So geht’s (inkl. Beispielen)

14. Februar 2024

Als introvertierte Selbständige kennst du das: Es fällt dir oft nicht leicht, über dich, dein Business und deine Angebote zu sprechen. Zum Glück war es aber noch nie so einfach wie heute, Aufmerksamkeit zu erreichen – und zwar auf unaufgeregte, ehrliche und authentische Art und Weise. Das Zauberwort dafür heißt “Positionierung”!

Um es schon mal vorweg zu nehmen: Nein, eine Website, ein Logo und die passende Farbpalette dazu sind noch keine Positionierung. In diesem Artikel zeige ich dir

  • Was sich wirklich hinter dem Begriff “Positionierung” verbirgt (keine Sorge, es nicht halb so kompliziert, wie es auf den ersten Blick scheint), 
  • wie du eine Positionierung findest, die zu dir und deiner ruhigen Persönlichkeit passt und wie sie dir hilft, Kund:innen zu gewinnen, 
  • welchen häufigen Fehler du vermeiden solltest (und was ich dir stattdessen empfehle zu tun)

Was bedeutet Positionierung?

Eine klare Positionierung beantwortet die zwei vielleicht wichtigsten Fragen in deinem Business: Was für ein Problem löst du und für wen?

Das Ziel einer Positionierung ist es, dich und dein Business von anderen Expert:innen zu unterscheiden. Mache dir bitte bewusst: Auf deine Kund:innen prasseln täglich viele Informationen und (Werbe)Botschaften ein. Sie sind also gezwungen, zu selektieren, wem sie ihre begrenzte Aufmerksamkeit schenken. 

Deine Positionierung hilft ihnen, schnell den Nutzen deines Angebots zu erkennen und ob du als Typ zu ihnen passt. Das hilft ihnen bei der Entscheidungsfindung für oder gegen dich.

Gleichzeitig verschafft dir deine Positionierung selbst Klarheit über dein Angebot und deine Zielgruppe. Mit einer Positionierung wirst du sicher und ohne lange überlegen zu müssen, sagen können, was du tust.

Eine unpassende oder nicht vorhandene Positionierung ist ein Grund, warum Geschäftsideen scheitern. Je klarer deine Positionierung, desto einfacher wird es für dich, die passenden Kund:innen zu gewinnen.

Wie finde ich meine Positionierung?

Eins solltest du vorab schon wissen: Deine passende Positionierung zu finden, ist ein Prozess, der etwas Zeit in Anspruch nehmen kann. Mit ein paar Stunden ist es meist nicht getan. Aber es lohnt sich definitiv, dir diese Zeit zu nehmen. 

Starte damit, dir zwei grundlegende Fragen zu stellen. Nämlich:

  • Was kann ich besonders gut?
  • Was brauchen meine Kund:innen von mir?

Die erste Frage zielt darauf ab, deine Stärken, dein Wissen und deine Erfahrung zu konkretisieren. Du willst das finden, was du gut kannst und was dir Freude bereitet. 

Bei der Beantwortung dieser Frage kann es dir helfen deine Freund:innen, Bekannten und deine Familie nach deinen Stärken zu fragen. (Ich weiß, dass du dich davor vermutlich scheust, aber ich möchte dich ermutigen, dich zu trauen. Du wirst überrascht sein, welche Stärken sie bei dir erkennen.)

Vielleicht kennst du die Antwort auch schon und möchtest über ein Thema sprechen bzw. dich zu einem Thema positionieren, das du selbst erlebt und für dich gelöst hast.

Mit der zweiten Frage willst du herausfinden, womit du deinen Kund:innen den größten Nutzen bieten kannst. Hast du Fähigkeiten, die anderen einen Mehrwert liefern? Welche deiner Stärken kannst du zu ihrem Vorteil einsetzen?

Und eines gleich vorneweg: Du bietest keine Coachings, Therapie, Kunst, Methoden oder irgendein Produkt an. Du löst ein Problem!

“Problem” klingt so dramatisch (ich weiß) und in den meisten Fällen ist es das gar nicht. Worum es mir geht: Egal was du verkaufen willst, du verkaufst kein Produkt oder eine Dienstleistung, sondern eine Lösung für ein Problem.

Niemand steht früh auf und denkt sich: „Wie wäre es heute mit einem Coaching?“ oder „Heute kaufe ich mir einen Kurs!“. Stattdessen wacht man früh auf und spürt einfach nur, dass irgendwas nicht rund läuft und sich etwas verändern darf.

Also, was ist das Problem (… Thema, Frage, Herausforderung oder auch Wunsch deiner Kund:innen) bei dem DU helfen kannst? Was ist das Thema, bei dem DU die Expertin bist?

Je präziser du diese beiden Fragen beantworten kannst, desto höher wird deine Anziehungskraft für Kund:innen sein. Gleichzeitig wird es dir leichter fallen, dich als introvertierte Selbstständige zu zeigen und dein Angebot an deine Zielgruppe zu kommunizieren.

Wie kann ich mich positionieren, um mich von anderen zu unterscheiden?

In einem zweiten Schritt überlegst du, wie du dich von Anderen abheben kannst. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Dein Angebot: Vielleicht hast du eine eigene Methode entwickelt oder deine Produkte unterscheiden sich wesentlich von denen deiner Mitbewerber:innen.
  • Deine Zielgruppe: Du schneidest dein Angebot auf eine spezifische Kundengruppe zu, etwa berufstätige Mütter, Führungskräfte mit Migrationshintergrund oder kreative Chaoten.
  • Dein Service: In diesem Fall zahlen deine Kund:innen dafür, ihre Ziele schneller oder leichter zu erreichen als mit anderen Anbieter:innen.
  • Deine Person: Dieses Differenzierungsmerkmal geht von dir selbst aus – deiner Persönlichkeit, deiner Haltung, deinen Werten oder deinem Werdegang. 
  • Dein Preis: Je spezialisierter du bist, desto höhere Preise kannst du verlangen und dich als Premium-Anbieter:in positionieren.

Brauche ich eine spitze Positionierung?

Vielleicht wurde dir schon gesagt, dass du unbedingt eine spitze Positionierung brauchst. Das bedeutet, deine Zielgruppe sollte beispielsweise nicht nur weibliche Führungskräfte sein, sondern weibliche Führungskräfte in der IT-Branche. Oder dein Angebot sollte nicht Grafikdesign sein, sondern ein spezieller Bereich des Grafikdesigns, etwa Logodesign oder Illustrationen. Du sollst dich also mit einem einzigen Thema für eine ganz klar definierte Zielgruppe positionieren.

Es kann sein, dass du bei vielen Dingen helfen kannst. Die Kunst jedoch ist, sich auf ein Thema zu spezialisieren. Je präziser, je spitzer und klarer du positioniert bist, desto schneller nehmen dich Menschen als Expertin für etwas wahr. Daher meine Empfehlung: Fokussiere dich!

Wenn du viele Interessen und Stärken hast, kann es sein, dass du dich von einer spitzen Positionierung eingeengt fühlst. Über das Thema Positionierung für Vielbegabte spreche ich auch in Episode 26 in meinem Podcast. Hör gerne rein!

Betrachte die spitze Positionierung also als Möglichkeit, vor allem wenn du am Anfang deiner Selbständigkeit stehst. Später nimmst du Schritt-für-Schritt weitere Themen, die dich interessieren hinzu.

So formulierst du deine Positionierung

Es gibt einen einfachen Schlüsselsatz, mit dem du deine Positionierung formulieren kannst. Ja, ich spreche von EINEM Schlüsselsatz. Mache es dir einfach und den Menschen, die dir zuhören. Ein Satz lässt sich leichter erfassen und die darin enthaltenen Informationen besser im Gedächtnis behalten. 

Ich begleite/helfe/unterstütze … (Platzhalter für deine Zielgruppe), durch … (Platzhalter wie machst du das, dein Thema bzw. deine Lösung), ihr Ziel … (Platzhalter was erreichen Menschen durch dich) zu erreichen.

Der häufigste Fehler, den Introvertierte bei der Positionierung machen – und wie du ihn vermeidest

Du kennst es bestimmt von dir: Als introvertierte Persönlichkeit wirst du in der Regel keine schnellen Entscheidungen treffen. Bevor wir uns festlegen, wägen wir ab, reflektieren, recherchieren und holen uns Rat bei Menschen, denen wir vertrauen. Das ist eine unserer großen Stärken. Allerdings kann sie sich auch zu unserem Nachteil entwickeln: Denn weil wir maximale Sicherheit wollen, überlegen wir mitunter zu lange, treffen keine Entscheidung und warten ab anstatt anzufangen

Falls du auch diesen Hang zum Perfektionismus hast, wirst du wahrscheinlich (zu) lange an deiner Positionierung feilen wollen. Diese Gefahr besteht besonders dann, wenn du noch am Anfang deiner Selbstständigkeit stehst und dir die Erfahrung fehlt, um genau zu wissen, was du für wen anbieten willst.

Meine Empfehlung für dich lautet: Nimm den Druck raus! Du musst nicht gleich eine perfekte Positionierung formulieren, mit der du für den Rest deiner Selbstständigkeit glücklich bist. Reduziere ein bisschen die hohen Erwartungen an dich selbst und versuch anzuerkennen, dass du genau richtig bist, wo du jetzt gerade stehst. Es gibt soviel, was du heute schon weißt und ausprobieren kannst und das darfst du wertschätzen!

Deine Positionierung darf sich mit der Zeit anpassen und heute genau so aussehen, wie es in deiner aktuellen Situation für dich passt. 

Also: Hör in dich rein, leg die grobe Richtung fest und probiere dich erst mal aus. Deine Positionierung kannst du auch später noch nach und nach präzisieren.

Warum eine Positionierung so wichtig für dein Marketing ist

Meiner Erfahrung nach ist es besonders für introvertierte Selbstständige elementar, sich gut zu positionieren. Denn in der ersten Reihe stehen, das eigene Angebot bewerben, permanent auf Social Media sichtbar sein – das alles gehört nicht zu den Lieblingsdisziplinen von stillen Persönlichkeiten.

Eine stimmige Positionierung hilft dir, auf unaufgeregte, ehrliche und authentische Weise einen festen Platz in den Köpfen deiner Kund:innen einzunehmen.

Warum ist das so? 

  • Indem du festlegst, was du tust und für wen, bekommst du auch Klarheit im Inneren. 
  • Das Chaos in deinem Kopf verschwindet und Sicherheit und Orientierung nehmen seinen Platz ein. 
  • Du wirst leichter Ideen (z.B. für deinen Content) finden, deutlich mehr Rückmeldung zu dir und deinem Angebot bekommen, deinen Fokus behalten und mehr Freude mit deiner Arbeit verspüren. 
  • Außerdem erreichst du die Kund:innen, mit denen du wirklich arbeiten willst, und baust schneller Vertrauen auf.

3 Beispiele für gelungene Positionierungen von introvertierten Unternehmerinnen

Ich möchte dir zeigen, wie vielfältig Positionierungen sein dürfen. Dafür stelle ich dir drei ganz unterschiedliche Beispiele vor..

1. Positionierung über die eigene Persönlichkeit

Fangen wir mit meiner eigenen Positionierung an. Ich habe mir eine Nische ausgesucht, in der es mir leicht fällt, ich selbst zu sein: Ich begleite introvertierte, feinfühlige und vielseitig begabte Frauen, ihr Business unaufgeregt, mutig und achtsam zu gestalten. Damit sie beides sind: Erfüllt und erfolgreich.

Ich habe mich über meine Persönlichkeit positioniert. Denn ich bin selbst genau der Mensch, für den meine Programme und 1:1 Coachings sind: introvertiert und selbstständig. Weil ich selbst den Weg schon gegangen bin, den meine Kundinnen noch vor sich haben, kann ich ihnen mit meinem Wissen und meiner Expertise perfekt helfen.

2. Positionierung über das Angebot

Das nächste Beispiel für eine gelungene Positionierung kommt von einer meiner Kundinnen. Sie ist Hypnosetherapeutin. Ihre Positionierung lautet: „Hypnose – wenn Reden alleine nicht reicht.“

Sie richtet ihre Positionierung an ihrem Angebot aus (nämlich Hypnose) und kombiniert diese mit der negativen Erfahrung, die ihre Kund:innen mit anderen Lösungen gemacht haben. Sie nimmt damit schon einen Auswahlprozess vor. Denn sie spricht so Menschen an, die ihr Angebot als echten Ausweg aus einem möglicherweise langen Leidensweg sehen.

3. Positionierung über den Service

Eine andere Kundin von mir bietet einen Aufräum- und Ordnungsservice an, bei dem sie als Service selbst mit anpackt, anstatt nur ihr Wissen weiterzugeben. Ihre Positionierung lautet: Als zertifizierte Expertin in Sachen Ordnung und Struktur unterstütze ich berufstätige Frauen individuell und aktiv darin, mit weniger Besitz, weniger Belastung, weniger Arbeit – langsamer, bewusster und nachhaltiger zu leben.

Sie hat sich für diese Positionierung entschieden, weil sie gerne aufräumt und es ihr Spaß macht, selbst Hand anzulegen und vor Ort aktiv zu werden. Ihre Kund:innen erreichen dadurch schneller und leichter ihr Ziel, bewusster und nachhaltiger zu leben.

Fazit: Deine Positionierung ist wichtig, aber nicht zeitkritisch

Deine Positionierung dient dazu, es Menschen einfacher zu machen, eine Entscheidung zu treffen – nämlich eine Entscheidung für dich. Gleichzeitig bietet sie dir Sicherheit und Orientierung – für die Inhalte auf deiner Website, deine Erstgespräche und für dein Marketing.

Ja, ich weiß, die eigene Positionierung zu finden, ist nicht im Handumdrehen erledigt! Es ist wahrscheinlich eine der schwierigsten Entscheidungen, die du für deine Selbstständigkeit treffen musst. Mache es dir bitte einfach und sei dir bewusst, dass du und dein Business sich permanent weiterentwickeln und dass das auch für deine Positionierung gilt. Natürlich ist es empfehlenswert, schon am Anfang deine Positionierung festzulegen. Aber manchmal funktioniert das einfach nicht. Da darfst du erst mal rausgehen und Erfahrung sammeln. Also mach dich nicht verrückt und erlaube dir stetige Veränderung und Verbesserung – Schritt für Schritt.

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